What’s snappin? Snapchat ab sofort mit Location Sharing-Funktion

Smartphone mit großem Snapchat-Logo auf Display in gelbem Tuch

Ein Beitrag von Yorick Pusch.

Wie Eisengewichte hängen sich Facebook und seine Tochterkonzerne an die Beine von Snapchat – einer Plattform, die bis vor kurzem noch als Wunderkind der Social-Media-Szene galt. Mit einer außergewöhnlich jungen Nutzerbasis, hoher täglicher Nutzungsdauer sowie Öffnungsrate war Snapchat mehr als bereit das Feld ordentlich aufzumischen (genaue Nutzungsdaten gibt es übrigens hier).

Logisch, dass Facebook ein Stück vom Kuchen abhaben wollte – genau genommen sogar drei Stücke: eines für jede seiner großen Plattformen. Snapchats „Stories“-Funktion fand sich also schnell auf Facebooks Messenger App, WhatsApp und Instagram wieder.

Statistik des Wachstums der täglichen Nutzer von Snapchat

Die täglichen Nutzer der Snapchat-App steigen – für viele Investoren allerdings nicht stark genug.

Jetzt hat der Mutterkonzern Snap Inc. aber zum Gegenschlag ausgeholt und verpasst seinem größten Produkt ein brandneues Feature. Dieses stellte Martin Weigert vergangene Woche in seiner Kolumne bei der t3n vor. Snapchats neues Feature hört auf den Namen „Snap Maps“: Es handelt sich um eine in Snapchat integrierte Karte, auf der die Aufenthaltsorte der eigenen Kontakte – mit aktiviertem GPS – angezeigt werden. Wenn viele User auf einem Fleck aktiv sind bilden sich durch die integrierte Heatmap „Hotspots“.

Snapchats endgültige Abkehr von der 1:1-Kommunikation?

Der potenziell wichtigste Aspekt des Features ist jedoch ein anderer: Bisher gab es auf Snapchat kein „Discover“-Feature. Neue Kontakte kamen oft nur durch das reale soziale Umfeld zustande. Mit „Snap Maps“ könnte dieses Monopol zumindest auf lokaler Ebene gelockert werden. Bis jetzt werden zwar nur die bestehenden Kontakte angezeigt, aber laut Weigert ist das Anzeigen des eigenen Standorts für „Nichtkontakte“ auch denkbar.

User Engagement scheint hier für Snapchat an erster Stelle zu stehen. Und zwar nicht unbedingt mit der eigenen Marke, sondern sozial zwischen den Nutzern. Ob hier die Hoffnung besteht, dass eine Abstrahlwirkung auf Snapchat erreicht wird? Zumindest dürfte es der App in der Anfangszeit einen deutlichen Boost der täglichen Nutzungszeit bescheren. Sobald das besondere Flair des Neuen vergangen ist, wird sich zeigen, wie gut das Feature wirklich ankommt.

Snapchats Snap Maps Feature mit Heatmap

Hier zu sehen: Eine durch Heatmapping rot hinterlegte Event-Location innerhalb des Snap Maps-Features.

Nicht überraschend sind auch die Bedenken von Datenschützern: Stalkern zum Beispiel würde mit dieser Funktion das Leben unnötig einfach gemacht. Immerhin lässt sich das Anzeigen der eigenen Position in der App abschalten. Wer also wert auf seine Privatsphäre legt und Snapchat trotzdem weiter nutzen will, dem bleibt eine Alternative.

Auch für Marken verspricht das neue Feature interessant zu werden. Technisch ist es wahrscheinlich kein Problem, Hotspots von Marken „einkaufen“ zu lassen. Zusammen mit einer Push-Benachrichtigung könnten so große Gruppen von jungen Menschen erreicht werden – inklusive Transfer zum Point of Sale. Und schon jetzt werden besondere Events ja auf der Karte angezeigt.

Bleibt nur eine Frage: Reicht das, um Snapchat wieder auf die Überholspur zu bringen? Ich bin noch skeptisch. Wenn Snapchat allerdings einen Weg findet, seine neue Karte wirklich mit einer „Discover“-Funktion zu verbinden, könnte das die Community neu beleben. Und frischen Wind bei den Nutzerzahlen kann Snapchat im Moment sehr gut gebrauchen.

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Der Autor

Yorick Pusch Yorick Pusch
Werkstudent Editorial, Darmstadt
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