Instagram das Markenparadies: Die Evolution eines sozialen Netzwerks

Ein Beitrag von Yorick Pusch.

Ich finde es interessant, soziale Netzwerke über einen größeren Zeitraum retrospektiv zu betrachten. Denn die meisten Augenpaare richten sich (wahrscheinlich zurecht) in die Zukunft. Sehnsüchtig werden neue Features erwartet und dann doch wieder vergessen. Mit einem Schritt zurück öffnet sich der eigene Blick also für neue Zusammenhänge und auch das Verständnis für zukünftige Entwicklungen wird geschärft.

Doch das ist nicht der einzige Anlass für diesen Rückblick. Seit April sind auch wir bei Instagram. Da werden wir auch richtig intim. Wer also wissen möchte, wie es den ganzen Tag bei uns zugeht, folgt am besten schnell unserem Account @camao.agency. Bespielt wird der übrigens von den jungen Wilden bei uns – also Werkstudenten, Azubis und Praktis.

So, jetzt aber zum Thema zurück und noch ein kleines Wort zur Methodik: Ich erhebe natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Viel mehr wollte ich einen groben Zeitstrahl mit den großen Instagram-Meilensteinen der letzten Monate erstellen.

November 2016: Stärkere Verzahnung mit E-Commerce

Produktinformationen gibt es seit November direkt auf Instagram. Inklusive Link zum Produkt der Wahl. Klingt fabelhaft, der Service ist in der Realität allerdings nicht für die breite Masse verfügbar. Und für die deutsche Masse noch viel weniger. In den USA freuten sich 20 amerikanische Unternehmen im ersten Testlauf über die Möglichkeit, ihre Produkte der Zielgruppe direkt in der App zu präsentieren – inklusive Details wie dem Preis und einem Link zum Shop.

Der zweite Wermutstropfen: Die Funktion ist anscheinend immer noch nur für iOS-Nutzer verfügbar. Instagram hat im ursprünglichen Blogpost angekündigt, das Feature auch auf weitere Plattformen und Märkte zu bringen. Auf meinem Android-Gerät bekomme ich den „Tap to view product“-Button aber auch in 2017 nicht angezeigt.

Kate Spade from Instagram for Business on Vimeo.

Dezember 2016: Once you go live …

Live-Video ist aus der Welt der Markenkommunikation nicht mehr wegzudenken. Dabei ist das Medium noch gar nicht lange bei uns. Erst im Dezember machte Instagram seine „Live-Stories“ für alle (US-)Nutzer verfügbar und zog so mit dem großen Bruder Facebook gleich. Facebook Live ist mittlerweile schon ein gutes Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich und auch andere Dienste wie Twitter setzen verstärkt auf das „Echtzeit“-Medium.

Wie ernstzunehmend dieses Marktsegment ist, ließ sich schon am Beispiel Amazon sehen. Der Konzern-Riese aus den USA kaufte schon 2014 den Livestreaming-Dienst Twitch – für läppische 970 Mio. US-Dollar.

Januar 2017: Instagram Stories als Werbeplattform

Eben springt noch der Hund einer Freundin in den Pool und versorgt die halbe Grillparty mit frischem Wasser und auf einmal folgt ein ebenso buntes wie lautes Werbevideo für die neue Sommerkollektion von Modehändler X. Das ist das neue Werbeformat, welches Instagram im Januar eingeführt hat. Nutzer, die sich mehrere Stories ihrer Abonnements hintereinander anschauen und diese dabei nicht überspringen, können jetzt auch kurze „Ad-Stories“ angezeigt bekommen.

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass vielen Marketing-Profis der Puls bis an die Decke ging. Über 100 Millionen Menschen nutzten vor wenigen Monaten noch/schon Instagram Stories (Stand April 2017: 200+ Millionen). Ein gewaltiges werbliches Potenzial also, dass endlich von der Leine gelassen wurde. Instagram selbst war sehr darauf bedacht, zu zeigen, wie wirkungsvoll diese „neue“ Form des Advertising für Marken sein kann und präsentierte im eigenen Blog direkt einige Use-cases.

Februar 2017: You spin me right round … „Caroussel Posts“ sind da!

Mit den seit August 2016 in Deutschland verfügbaren Instagram Business Accounts konnten Marketing-Abteilungen schon lange die auch aus Facebook bekannten „Caroussel Ads“ schalten. Seit Februar dürfen wir die sogenannten „Alben“ mit maximal 10 Bildern auch als normalen Post hochladen – ob jetzt Business Account oder nicht.

Egal welche Branche – Mode, Lifestyle, Kochen oder Design: Die Möglichkeit in einem Post eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen oder verschiedene Merkmale eines Produkts zu illustrieren, ohne relativ aufwendig ein Video produzieren zu müssen, dürfte vielen Marken sehr willkommen gewesen sein.

März 2017: Instagram – die (Marketing-)Millionenstadt

Abermillionen von Menschen lieben Instagram. Und dafür liebt die Werbebranche Instagram. Seit März 2017 gibt es eine Million Werbetreibende auf der Plattform. Laut internetworld hat sich die Zahl der Werbetreibenden damit in den letzten sechs Monaten mehr als verdoppelt. Ein Totschlagargument gegen jeden, der Instagram (noch) seine Bedeutung in der Werbebranche absprechen möchte?

April 2017: Jeder zehnte Mensch ist Instagrammer

Statistik der Nutzerzahlen sozialer Netzwerke

Auch bei den aktiven Nutzern führt Instagram das Feld an. Facebook ist hier als Mutterkonzern außen vor.

Zurück in der Gegenwart. 700 Millionen Nutzer sind mittlerweile auf dem sozialen Netzwerk angemeldet. Die Konkurrenz in Form von Tumblr, Pinterest und Twitter scheint nicht mit dem Wachstum der Facebook-Tochter mithalten zu können. Als Perspektive: Verteilt auf die 79 Monate seit dem Launch von Instagram im Oktober 2010 hat die Plattform pro Monat knapp 9 Millionen User hinzu gewonnen. Das ist soviel, dass sich dafür jeden Monat ganz Österreich (Stand 2015: 8,6 Mio. Einwohner) bei der App hätte registrieren können.

Das Wrap-up im Wrap-up: Quo vadis, Instagram?

Wohin geht die Reise also? Das Konzept der Stories scheint Instagram sich erfolgreich einverleibt zu haben. Ich selbst merke, dass ich meinen Alltag deutlich lieber mit meinen Instagram-Followern teile als auf Snapchat. Eine große Rolle spielt für mich dabei die Performance, Instagram läuft als Anwendung einfach flüssiger. Dass es noch kein Äquivalent für Snapchats Filter gibt, stört mich kaum, kann ich mit Boomerangs doch ebenso viel Spaß haben. Weiterer Raum für Expansion im Live-Segment scheint knapp zu sein. Stattdessen wird sich weiter an Snapchats Fundament bedient: Seit ein paar Tagen gibt es auf Instagram „Face Filter“. Die Frage ist, wie schnell Instagram auch hier Platz für Werbepartner schaffen wird. Snapchat bietet mit „Sponsored Lenses“ einen sehr direkten Zugang zu seiner Nutzerschaft für Marken.

Die fühlen sich in der Bilder-Community sowieso schon pudelwohl. Nicht nur alte Hüte wie Bilder oder Videos, sondern auch (Live-)Stories werden von ihnen schon klug und auf vielfältige Art und Weise eingesetzt. Instagram bietet mittlerweile also eine Vielzahl an verschiedenen Services, die weit über das Bearbeiten und Hochladen einzelner Bilder hinausgehen. Gepaart mit der riesigen und besonders interaktionsfreudigen Community sowie einer wachsenden Reihe an Tools für Unternehmen steht Instagram in einem sehr guten Licht, wenn es um die Wahl neuer Marketing- oder Kommunikationskanäle geht.

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Der Autor

Yorick Pusch Yorick Pusch
Werkstudent Editorial, Darmstadt
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